Ortstermin 'Kaffee'

Dieter Kater bei der PräsentationKaffee ist der Deutschen liebstes Getränk. Pro Kopf und Jahr werden hierzulande 162 Liter Kaffee konsumiert. Damit rangiert das braune Heißgetränk in der Gunst der Menschen weit vor dem Mineralwasser (143 Liter) und sogar dem Bier (106 Liter). Doch warum ist Kaffee so beliebt? Und was macht eigentlich einen guten Kaffee aus? Diesen Fragen ging Dieter Kater, Inhaber der gleichnamigen Kaffeerösterei in Burgsteinfurt, am Donnerstagabend auf den Grund. Er nahm die Besucher im Hotel Restaurant „Holskenbänd“ mit auf eine ebenso informative wie vergnügliche Reise durch die Welt des Kaffees. Zum Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ortstermin“ hatten das KulturForum Steinfurt und der Stadtmarketingverein HorstmarErleben eingeladen.


Die Anfänge des Kaffees als Genussmittel liegen im Dunkel der Geschichte. „Man weiß aber, dass bereits im 11. Jahrhundert Menschen in Abessinien, dem heutigen Äthiopien, die anregende Wirkung der Kaffeekirschen entdeckten“, berichtete Kater. „Sie haben beobachtet, dass Ziegen auffallend munter wurden, wenn sie Kaffeekirschen gefressen hatten“, schilderte der Experte eine alte Legende. Von der abessinischen Provinz „Caffa“ leite sich deshalb der Name „Kaffee“ her. Weiter verbreitet habe sich der Kaffee erst ab etwa 1470, zunächst auf der arabischen Halbinsel und über das gesamte osmanische Reich bis nach Europa. „Angebaut wurden die Kaffeepflanzen nur in Äthiopien und im Jemen. Das war ein streng bewachtes Monopol“, so Kater. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts sei es Holländern und dann auch Briten gelungen, die wertvollen Kaffeepflanzen an sich zu bringen und in den eigenen Kolonien anzupflanzen.


„Am besten gedeihen Kaffeepflanzen in den Ländern rund um den Äquator“, erklärte Dieter Kater, der als Kaffeehändler schon viele Anbaugebiete selbst bereist hat. Die größten Anbauländer seien Brasilen und Vietnam, die fast die Hälfte der Welt-Kaffeeproduktion liefern. Dem Wein vergleichbar, sei auch für die Kaffeepflanzen die Lage, Qualität der Erde, Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit entscheidend. Die botanische Gattung „Coffea“ gliedere sich in zwei Bereiche: Coffea Arabica und Coffea Robusta. Beide würden eine Vielzahl von unterschiedlichen Kaffee-Sorten und -Qualitäten hervorbringen. Arabica-Pflanzen können nur in Höhenlagen ab 600 Meter angebaut werden („Hochland-Kaffee“). Ihre Bohnen enthalten mit 0,9 bis 1,4 Prozent nur halb so viel Koffein wie Robusta-Sorten, ebenso weniger Chlorogen-Säuren, aber mehr Öle, die das Aroma tragen. Arabica-Kaffee sei im Geschmack eher fein und ausgewogen aromatisch, der Robusta hingegen würziger und erdiger. „Es ist aber nicht wahr, dass Arabica-Kaffee grundsätzlich besser ist. Es gibt auch wunderbare Robusta-Kaffees“, räumte Dieter Kater mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf. Häufig würden auch Arabica-und Robusta gemischt. Letztlich entscheide immer der persönliche Geschmack der Kaffee-Liebhaber.
Ausschlaggebend für Qualität und Geschmack eines Kaffees ist auch die Röstung. Für jede Bohnenart gibt es ein unterschiedliches Röstrezept. Grundsätzlich gilt: Je länger die Röstung, desto dunkler die Bohne. „In unserer Rösterei arbeiten wir im Langzeitröstverfahren. Die grünen Bohnen werden 15 bis 25 Minuten bei 215 Grad geröstet“, erklärte Dieter Kater. So entfalte sich das volle Aroma und die Chlorogensäuren würden weitgehend entfernt, was den Kaffee besonders verträglich mache.
Für die optimale Zubereitung eines guten Kaffees hatte der Experte auch einige Tipps parat. Eine teure Maschine ist seiner Erfahrung nach nicht notwendig: „Wenn Sie einen Porzellanfilter und gutes Filterpapier benutzen, kommen Öle und Aromen gut zur Geltung. Allerdings darf man das Pulver auf keinen Fall mit kochendem Wasser übergießen. In die Tasse soll der Kaffee dann mit 60 Grad.“

Vom hervorragenden Geschmack verschiedener Produkte aus der Burgsteinfurter Rösterei konnten sich die Besucher bei einer Verkostung überzeugen. Dieter Kater präsentierte den staunenden Gästen auch ein Kuriosum aus der Kaffee-Welt: den „Kopi-Luwak“. Die Bohnen dieser Kaffee-Sorte haben den Verdauungstrakt von Zibet-Katzen durchlaufen. Liebhaber zahlen für eine Tasse zehn Euro. Es ist eben alles Geschmackssache!

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